Kritzendorf, eine Geschichte
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Erstmals erwähnt wurde Kritzendorf 1108. Man nimmt an, daß Kritzendorf Mitte des 11. Jahrhunderts gegründet wurde. Damals bestanden noch zwei Ortschaften: 'Ober-' und 'Unterkritzendorf' welche sich getrennt voneinander entwickelten.
Bereits im Mittelalter wurde der Weinbau in Kritzendorf gepflegt. Während der Ersten Türkenbelagerung war der Schaden in Kritzendorf eher gering. Auch während der Zweiten Türkenbelagerung blieb Kritzendorf von Zerstörungen weitgehend verschont. Die kleine Ortschaft beherbergte 1683 die 5. Kompanie des Regiments de Souches. 471 Mann mußten untergebracht werden, viel mehr als der Ort damals Einwohner hatte. Ende des 19. Jahrhunderts wütete die aus Amerika eingeschleppte Reblaus und vernichtete einen Großteil der Weinrieden. Man war kreativ und entwickelte alternativ zum vergorenen Traubensaft den Ribiselwein. Zur Jahrhundertwende fanden die großen Bauprojekte wie Franz-Josefs-Bahn, Donauregulierung und Strombad statt. 1905 wurde das Kritzendorfer Strombad errichtet und avancierte, durch die Bahnverbindung, zu einem der beliebtesten Badeplätze der Wiener..... Die Riviera an der Donau: einst und heute Einst mondäner Badeort, heute verschlafenes Natur- und Architekturidyll, in dem man das Flair der Vergangenheit immer noch spürt. Sommerfrische am Fluss
Ein kleiner Ort an der Donau entwickelte sich um die Jahrhundertwende zu einem architektonischen und kulturhistorischen Kleinod. Als man im Luftkurort in Hauptstadtnähe eines der ersten Freiluftstrombäder errichten ließ, durch die Franz Josephs-Bahn 1870 an Wien angeschlossen, stiegen die Attraktivität der Gegend und die Ausflüge zum berühmten Ribiselwein. Kritzendorf etablierte sich bald als beliebte Sommerfrische.1928 erreichte die Beliebtheit des Bades ihren Höhepunkt. Tausende strömten an den Wochenenden an das Naturparadies an der Donau, stiegen in das kühle Nass oder vergnügten sich in den weiten Auwäldern. Die unbeschwerte Körperkultur und die Erotik blühten, wenn im Strandpavillon Teile der Wiener Symphoniker Arien aus 'Aida' spielten oder heiße Tango-Rhythmen am Ufer der Donau zum Tanzen luden. Man gab sich mondän, träumte von der Riviera und nannte die Sommerkolonie dementsprechend Krize-les-Bains. Prominenz im Badekostüm
Natürlich entdeckten auch diverse Künstler und Künstlerinnen das Eldorado. Das rege gesellschaftliche Leben vervielfältigte sich in Literatur und Musik. Peter Altenberg, Lina Loos, Hilde Spiel und Franz Theodor Csokor waren hier zu finden. Heimito von Doderer beschreibt in seinem Roman 'Die Strudelhofstiege' den 'grau-grünen Schaum der Auwälder' und Torberg gibt in der 'Tante Jolesch' eine Schwimmepisode von Kritzendorf nach Wien zum Besten.Architektur im Bad
Der rege Austausch zwischen Wien und Niederösterreich, zwischen Peripherie und Zentrum, führte zu wechselseitigen Inspirationen, einem spezifischen kreativen Milieu und durch bauliche Manifestationen zu jenem Lokalkolorit, das bis heute einzigartig ist. So findet man hier die Wiener Ringstraßenarchitektur vertreten durch Emil von Förster wieder. Das modernistische Haus von Walter Loos markiert Anfang der dreißiger Jahre seinerseits einen Höhepunkt der Bauhaustradition. Und Heinz Rolligs Strombadgestaltung symbolisiert in wunderbarer Weise die funktionale Bausprache der Zwischenkriegszeit. Als Mittelpunkt des Bades, als Treffpunkt und Umschlagplatz für die vielfältige Gesellschaft aus Kunst und Ökonomie behielt diese Architektur bis heute ihre spezifische Ausstrahlung.Braune Fluten, das Jahr 1938 und die Folgen Die Riviera an der Donau wurde nicht nur ein Zentrum des Massentourismus, sondern vor allem Ausdruck einer spezifischen Weekend- und Körperkulturbewegung der 20er und 30er Jahre. Doch während im Badekostüm alle gleich zu sein schienen, erzwang die Politik Unterschiede. 1938 wurden 80% der Häuser als jüdisches Eigentum enteignet. Das Modebad am Strom verwandelte sich in ein Nazibad. Die Villen wurden ausschließlich an verdiente Gesinnungsgenossen aus Wien vergeben. Juden verbot man den Zutritt. 1945 hingegen enteignete der Bürgermeister in einer spontanen Aktion die Nationalsozialisten. Die Gebäude wurden nun in einer sogenannten 'Rückarisierung' an Opfer des NS Regimes übergeben bis die Rückstellungsanträge der jüdischen Emigranten eintrafen... eine regionalspezifische österreichische Besonderheit. Der Wiederaufbau ist dementsprechend durch einen politischen Akt der Wiedergutmachung gekennzeichnet. Dennoch kehrte kaum jemand von den Vertriebenen zurück. Das Naturstrombad Kritzendorf, heute Die Donau ist ruhig. Schwimmer lassen sich mit der Strömung treiben, zwei Ruderer ziehen mit ihrem Boot vorbei, ein Schlepper tuckert gemächlich dahin. Am Schotterstrand räkeln sich Badegäste in der Sonne, Paare spielen auf der Wiese Frisbee, zum Fussballspielen gibt es für Kinder hier noch genug Platz. Einer der schönsten Plätze ist beim ehemaligen Gasthaus Kropacek, früher ein nobler Schiffsanlegeplatz, ein paar Schritte vom Eingangsbereich die Strandpromenade hinunter. Das ist hier immer noch ein Geheimtipp, bei Sonnenuntergang wartet man, bis die beleuchteten Passagierschiffe kommen. Dann ist es hier fast wie am Meer. Wer durch das große Eingangsportal - eine hölzerne Brücke mit zwei Türmen - an die Donau kommt, dem erschließt sich der wirkliche Charakter des Strombades nicht sofort. Entlang enger Wege reihen sich Kästchen, Kabinen, Hütten, Kabanen und kleine Villen. Die inmitten des Auwaldes gelegene Badesiedlung ist regelrecht in Minigrätzl aufgeteilt. Immer wieder spiegelt sich in der Architektur die Nähe zum Wasser wider: Einige der - zumindest äußerlich - noch gut erhaltenen Wochenendhäuschen haben Fenster wie Bullaugen. An der Fassade eines Strandhauses hängt ein kleiner Anker, ein Raum im Inneren soll wie die Bar einer Schiffskajüte gestaltet sein. Die Klosterneuburger Wagenfabrik ließ Ende der Zwanzigerjahre in der Siedlung Fertigteilhäuser in drei verschiedenen Varianten errichten. Das größte Modell sieht mit seinen drei Terrassen fast aus wie ein Hausboot. Im Rondeau vor dem Eingangstor betreibt Herr Amir sein "Esperanto Paradizo". Der gebürtige Iraner lebt seit vielen Jahren in Österreich und ist der Nahversorger des Strombades. In seinem Minimarkt - gleichzeitig eine Art Minirestaurant - verkauft er Lebensmittel, Badezubehör, Spielzeug, Bücher und Lippenstifte. In der Rondeauhälfte vis-à-vis waren früher Feuerwehr und Gendarmerie, Geschäfte und eine Pediküre einquartiert. Jetzt hat Herr Amir die Räume gepachtet und veranstaltet dort Seminare und Tanzabende - in esperantistischer Mission. "Ich kämpfe hier seit 14 Jahren", sagt er, "aber meine Bomben sind Tanz, Musik und Theater." Das Strombad Kritzendorf hat heute viele Reize, sei es für Nostalgiker, für versteckte Liebende, für entdeckende Reisende, für Entspannungsuchende, für Kinder die noch Bewegungsdrang haben oder für Geniesser, die einfach nur das Wasser plätschern, die Bienen summen und den Wind rauschen hören wollen. Dann wird alles gut. | ||
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Ein weiterer Beitrag über Kritz les Bains. Praktische Informationen über Kritzendorf finden Sie auf www.kritzendorf.at. |
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